Extremsegeln

Neuer Wirbel um Yvan Bourgnon

Hinweise auf unerlaubte Assistenz beim Durchsegeln der Nordwestpassage häufen sich. Der Name des Schweizers wurde zunächst aus der offiziellen Liste gestrichen

Uwe Janßen am 13.11.2017
Freydis, Nordwestpassage
E. Wilts

Bei Yvan Bourgnons Durchsegelung der Nordwestpassage (NWP) ist offenbar nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Die Universität Cambridge registriert offiziell alle Boote und Schiffe, die die Nordwestpassage durchqueren. In der Fassung vom 24. Oktober allerdings fehlt ein prominenter Name, der zuvor dort noch registriert war: eben der des Schweizer Abenteurers.

Bourgnon

Abenteurer Bourgnon

Erst in der gestern aktualisierten Neufassung findet sich Bourgnons Törn wieder – allerdings mit einem merkwürdigen Zusatz: "Vessel required towing, and much other assistance, by and from, several small craft to complete transit." Bourgnons Sechs-Meter-Sportkatamaran sei geschleppt worden und habe eine Menge anderer Hilfe von kleineren Schiffen in Anspruch genommen. Damit widersprechen die Passagen-Wächter vom Scott Polar Research Institute (SPRI), einer Forschungseinrichtung der angesehenen Hochschule, der Darstellung Bourgnons.

Die YACHT hat den Schweizer für den Themenschwerpunkt im aktuellen Heft interviewt. Kurz darauf kursierten diese Gerüchte bereits – unser Reporter hatte Bourgnon daraufhin vor Drucklegung der YACHT noch einmal explizit auf die Vorwürfe angesprochen. Dieser wies sie strikt zurück.

In der YACHT heißt es dementsprechend im Anlauftext zu dem Interview, nach Bourgnons Ritt machten "in der kleinen Diaspora der Arktissegler“ bereits Gerüchte die Runde: ”Er habe sich wohl über 100 Meilen schleppen lassen. Bourgnon kontert die Vorhaltungen mit größter Gelassenheit, er sei nur einmal ein paar hundert Meter aus einer Bucht gezogen worden, habe aber die gesamte Strecke ansonsten unter Segeln gemacht – ohne Hilfe, ohne Begleitboot." Und der Schweizer wurde sogar noch deutlicher und diktierte dem YACHT-Reporter auf Nachfrage, er habe "die ganze Zeit" auf seinem "kleinen Katamaran" verbracht.

Daran bestehen nun erhebliche Zweifel. 

Andere Segler, die in diesem Jahr die Passage gemeistert haben, berichten, dass Bourgnon sie ausdrücklich um Schlepphilfe gebeten – und sie auch bekommen habe, und zwar deutlich weiter als nur aus einer Bucht heraus. Außerdem habe er sich in Weld Harbour sechs Tage lang auf einer fremden Yacht aufgehalten, als das Wetter zu schlecht wurde. Er sei dort mit Ausrüstung und Proviant versorgt worden. Zudem habe Bourgnon gegen Ein- und Ausreisebestimmungen in Kanada verstoßen, was die dortigen Behörden nachhaltig erzürnte, so die Gralshüter in Cambridge.  

Dass Bourgnon aktuell mit dem erwähnten Zusatz in der SPRI-Liste geführt wird, ist als Kompromiss zu deuten. Schlepphilfe etwa ist nicht gestattet, dann gilt die Durchsegelung als unvollständig. Deshalb fehlt beispielsweise der Name Clark Stede in dem Verzeichnis; der Augsburger war 1990 nur dank Eisbrecherhilfe durch die Passage gekommen. Seltsam ist nun, warum Bourgnon die Anerkennung zunächst entzogen wurde, wie es bei klarer Regelauslegung und dem Nachweis eines Fehlverhaltens zwingend ist – und er nun doch wieder als NWP-Durchsegler gilt, wenn auch mit Einschränkungen. Ein vergleichbarer Zusatz findet sich unter den 290 Namen auf der SPRI-Liste sonst nirgends.

Uwe Janßen am 13.11.2017

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online


Gebrauchtboote der Woche