Segelpremieren

"Mein erstes Mal" – Zusatz

Ergänzend zum Artikel in Heft 8/2011 finden Sie hier zahlreiche weitere Geschichten über persönliche Jungfernfahrten unter Segeln

Johannes Erdmann am 29.03.2011

"Vorbei war die Karrieremotivation"

Michael Wnuk auf seiner "Iron Lady"

Michael Wnuk auf seiner "Iron Lady"

Michael Wnuk, 47, segelte von 2000-2007 um die Welt und wird im August erneut mit seiner Familie aufbrechen. (www.ironlady.de)


"Als Rheinländer hat man in der Regel nicht so einen intensiven Kontakt zum Wasser, wie zum Beispiel der gebürtiger Kieler. Wenn ich heute in den Spiegel schaue und mich frage, wie ich zu den tausenden von Seemeilen gekommen bin, die hinter mir liegen, schaue ich auf eine rasante Entwicklung zurück. Mit dem Klepper Faltboot, teils sogar mit Segel, bin ich in meiner Kindheit über deutsche und skandinavische Seen und Flüsse geglitten, in meiner Jugend mit einem Zodiac mit überdimensioniertem Außenborder an der spanischen Mittelmeerküste entlang geprescht, um schliesslich mit meinem ersten GFK Oldtimer auf dem Rhein von Düsseldorf nach Köln zu fahren.

Das Kielschwein war also gelegt und als Päivi, die finnische Marketingleiterin eines meiner damaligen Kunden, vorschlug Arbeit und Freizeit miteinander zu verbinden und einen Wochenendschlag mit ihrer Moody in der finnischen Baltic Sea zu machen – ja, da war es dann schon fast geschehen um die Karrieremotivation. Bilder einer einjährigen Nordatlantikrunde versüßten des Abend vor dem Kamin. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie mir Päivis Mann Holger die Funktion der Pazifik Selbststeuereranlage erklären wollte und ich es einfach nicht verstehen konnte, wie dieses filigrane Teil ein so großes Schiff steuern sollte. Auf jeden Fall war es um mich geschehen und die nächsten Jahre dienten der Basisarbeit zur Traumverwirklichung. Ein steiniger Weg mit vielen Büchern am Bettrand. Ich muss zugeben, heute, gut 15 Jahre danach, würde ich es mir fast nicht mehr zutrauen, dass zu schaffen, was notwendig war um aus dem Traum Realität werden zu lassen. Um so mehr bewundere ich jeden, der es gerade heutzutage schafft, die Leinen zu kappen und loszusegeln. Es wird nicht einfacher."

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"Es war nicht der letzte Tag auf einem Segelboot"

Martin Strangmeier am Rad der "Gungha II"

Martin Strangmeier am Rad der "Gungha II"

Martin Strangmeier, Polizist aus Fallersleben

"Das erste Segelerlebnis hatten meine Frau Christel und ich Ende 2004, als wir uns mit einer Neuseelandreise einen Traum erfüllten. Bis dahin war unser Interesse am Segeln gering. Dennoch fielen uns in Auckland die vielen Häfen und Masten auf. Dadurch wurde uns klar, warum Auckland auch „Stadt der Segel“ genannt wird. Weihnachten verbrachten wir in der Bay of Islands. Um die Schönheit dieser Region komplett zu erfassen, soll man sich auf das Wasser begeben und so wählten wir aus den vielfältigen Angeboten einen eintägigen Segeltörn aus. Am 1. Weihnachtstag ging es morgens gegen 10 Uhr nach kurzer Einweisung los. Wir waren auf der 65-Fuß-langen Segelyacht "Gungha II" neben Skipper Mike und seinem Maat elf Chartertouristen. Die Yacht war so groß, dass wir uns gegenseitig kaum in die Quere kamen. Jeder konnte mit Anfassen und beim Segelsetzen und -bergen helfen.  Als sich die Segelyacht allein durch den Wind vorwärts bewegte, hatten wir dieses besondere Gefühl, mit der Natur eins zu sein. Der Kopf war plötzlich frei und alles war sehr entspannend. Das war ein beeindruckendes Erlebnis.

Gegen Mittag haben wir in der Bucht einer Insel geankert und wurden mit dem Dinghi übergesetzt. Der Panoramablick von einem Hügel über die gesamte Bay of Islands war einfach traumhaft. Außer uns, der Besatzung des Segelbootes, war niemand dort. Wir waren mit dem Boot an einem Ort, wo nicht jeder hinkommt. Nach einem kurzen Picknik wurde der Anker wieder gelichtet und die Segel gesetzt. Am Nachmittag kam sogar die Sonne heraus, um den Törn noch schöner zu machen. Ein paar von uns (inklusive mir) durften das Schiff sogar alleine steuern. Um einigermaßen geradeaus zu Segeln, sollte ich mir einen Punkt in der Ferne suchen und immer darauf zu halten. Trotzdem war das nicht so einfach. Auf dem Amwindkurs nahm die Krängung zu und ich spürte die Kräfte, die auf das Ruder wirkten. Das war zwar ein wenig unheimlich, aber ich war mächtig stolz, das große Schiff lenken zu dürfen. Wir segelten an einigen Inseln entlang und genossen die Fahrt. Langsam ging es dann
zurück in Richtung Starthafen, leider natürlich viel zu schnell. In unserem Reisetagebuch habe ich folgende Zeile wiedergefunden: „Es war ein traumhafter Tag und sicher nicht der letzte, den wir auf einem Segelboot verbracht
haben.“ Und so ist es auch gekommen. Heute haben wir unser eigenes Segelboot, eine Hai 710, und sind oft auf dem Wasser unterwegs."

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"Ein entscheidendes Aha-Erlebnis"

Andreas Lindlahr an der Pinne seines 470er

Andreas Lindlahr an der Pinne seines 470er

Andreas Lindlahr, 50, Fotograf aus Hamburg und Teilnehmer des Mini-Transat 2009

Um ehrlich zu sein, meine allerersten Gehversuche beim Segeln sind mir noch heute etwas peinlich. Mein Vater, der schon als Kind zu Kriegs- und Nachkriegszeiten mit allen möglichen Booten auf der Ostsee unterwegs war, bekam irgendwann in den 70ern die Idee, eine kleine Jolle anzuschaffen und damit den Plöner See unsicher zu machen. Nur dieses Gefährt war schon damals nicht so vorzeigbar, daher möchte ich lieber nicht ins Detail gehen. Es ähnelte mehr einer Badewanne als einem Boot. Von erfahrenen Seglern wurden wir bei unseren ersten Versuchen nur mitleidig beäugt. Die ganze Familie saß, schwer in Ölzeug eingepackt, in der ca. 4 Meter messenden Nussschale. Inklusive Hund. Meine Mutter, mit vor Angst und Panik geweiteten Augen, meine Schwester heulend, der Hund hechelnd, mein Vater beschwichtigend und ich – typisch pubertierender Junge – peinlich berührt.

Noch waren die Kajak-Abenteuer und Ausflüge zu den kleinen Inseln auf dem Plöner See im Alleingang aufregender als die Familienausflüge in der lütten Badewanne unter Segeln. Doch eines Tages bekamen wir am See Besuch von einem Freund meines Vaters. Der hatte eine "Windy-Jolle" im Schlepptau. Das Konzept des Bootes war eine Kreuzung aus 505er und Flying Dutchman. Jedenfalls ein schnelles Schiff mit guten Gleit-Eigenschaften. Ich durfte sofort ins Trapez, und das war wahrscheinlich für mich als 12-jährigen das entscheidendes Aha-Erlebnis. Ich schwebte frei wie ein Vogel über der schnell unter mir weggleitenden Wasseroberfläche des Plöner Sees. Ein Sturm der Gefühle. Wasser, Sonne, Abenteuer und Speed! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Da war er. Endlich der Sport, der mir wirklich zu 100 Prozent gefiel. Als Kleinstadtkind zurück aufs Land gezogen und als schmächtiger Jüngling den Dorfjungs auf dem Fußball-Acker hoffnungslos unterlegen, hatte ich nun endlich auch meinen Sport entdeckt.

Als Jockel, der Besitzer der Windy, durch ein kleines Unglück seines Zugfahrzeugs beraubt wurde – beim Slippen auf Fehmarn hatte die Windy seinen Mini rückwärts die Slipeinlage herunter unter Wasser gezogen – blieben seine Besuche erst einmal aus und ich musste mich weiter umsehen. So sammelte ich erste Erfahrungen auf echten 505ern, Jollenkreuzern und 470ern, machte den A-Schein und bekam mit 15 meinen ersten eigenen 470er gestellt. Danach folgten viele Jahre aktiven Regatta-Segelns. Boote mit Kiel und auch richtige Kiel-Yachten waren mir damals noch suspekt. Der 470er war mein Allerheiligstes. Ich betete ihn an. Durch seine schönen Linien und den sportlichen Segelriss war ich für mein Leben geprägt und auf sportliche Boote abonniert.

Allein durch die Lektüre des ersten Buches von Wilfried Erdmann, „Mein Schicksal heißt Kathena“, wurde meine Sehnsucht nach der Eroberung der Meere auf eigenem Kiel geweckt. Ich danke meinem Vater, Jockel und Wilfried dafür, dass sie mich als jungen Menschen auf den richtigen Pfad gebracht haben!"

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"Ein paar Kreise – und dann klappte es"

Boris Herrmann an Bord der "Neutrogena"

Boris Herrmann an Bord der "Neutrogena"

Boris Herrmann, 29, segelt derzeit das Barcelona World Race

"Eine kurze Geschichte: Als ich fünf Jahre alt war, hat mich mein Dad zusammen mit meinem Freund Julien Kleiner in einen Opti gesetzt und hinaus auf den Bornhortser See bei Oldenburg geschubst. Ich war damals an der Pinne, Julien an der Schot. Mein Dad rief uns die ganze Zeit zu, was wir machen sollten. Wir haben uns ein paarmal mit dem Boot im Kreis gedreht und sind dann den Rest des Tages munter auf und ab gesegelt.

Seit diesem Tag habe ich gefühlt 200 Jahre mit Julien in Jollen gesessen und mehrere 1000 Regatten an allen Ecken der Welt gesegelt. Das Team von damals hat sich bewährt."

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"Ein prägendes Erlebnis"

Gordon Debus auf seinem Boot

Gordon Debus auf seinem Boot

Gordon A. Debus, 35, Stellvertretender Hoteldirektor, Ritz-Carlton Wolfsburg

"Der Traum vom eigenen Boot und von der Erkundung ferner Länder auf eigenem Kiel wuchs schon früh in mir heran. Barawitzka, Beate Kammler und Rollo Gebhard waren  in jungen Jahren zu meiner abendlichen Bettlektüre geworden. Leider habe ich es damals aber aus einen – nach heutigem Gesichtspunkt nicht nachzuvollziehenden Gesichtspunkt – nie wirklich zum Segeln gebracht. Wahrscheinlich war der Wohnort Hagen in Westfalen kein wirklich perfekter Ausgangspunkt für eine Segelkarriere. Das Berufsleben in der Hotellerie began. Stationen in Düsseldorf, London oder New York ließen keinen Wassersport zu. Als jedoch der Transfer nach Hawaii in Aussicht stand, drehte sich das Blatt überraschend – und einige prägende Erlebnisse standen unmittelbar bevor.

Während meiner dreieinhalb Jahre auf Hawaii habe ich eine tiefe Liebe zum Meer entwickelt, die anfänglich durch das Surfen und Boogie-Boarden (eine liegende Art des Wellenreitens) geprägt waren. Als ich jedoch von einem ansässigen Weinimporteur eine Einladung auf einen Open 60 mit Deutschlands besten Winzern erhielt, machte es "Klick". Das Boot war für meine damaligen Erfahrungen ungemein groß und recht kahl. Dennoch fand ich sofort Gefallen an den klaren Linien – was vielleicht auch dadurch verstärkt wurde, dass wir mit einer Auswahl von wunderbar haltrockenen Kabinett-Weinen aus Deutschland begrüsst wurden. Die Weine, mit Ihrem charakteristischen süss-saurem Säurespiel und tropischen Aromatiken, erfrischten uns sofort und ließen unmittelbar Seebeine wachsen.

Aus der Marina ausgelaufen wurde das Großsegel gesetzt und wir rauschten bei halbem Wind mit sechs Knoten, keinerlei Welle und dazu leckeren Canapees durch die Bucht von Waikiki in Richtung Diamond Head. Den ganzen Tag verlebten wir auf diesem Boot, tranken großartige Weine aus Deutschlands Toplagen, genossen wunderbare, gegrillte Fische und eine reichhaltige Käseauswahl zum Abschluss. Die Delfine am Bug vollendeten den Tag als ein prägendes Erlebniss in meinem Leben an dem, vielleicht zum ersten Mal, alle meine Sinne angesprochen wurden.

Wenige Monate später wurde ich nach München transferiert und begann mit dem Sportbootführerschein-See am Starnberger See. Ein Jahr später kaufte ich eine Klepper Condor 55, sammelte erste Erfahrungen. Heute segle ich die Ohlson 8:8 “GATSBY” in Neustadt/Holstein und verbringe jede freie Minute an Bord. Dass ich heute natürlich stets ein gutes Gläschen Wein an Bord habe, um die einzigartigen Momente an Bord zu geniessen, ist wohl selbstverständlich …"

Johannes Erdmann am 29.03.2011

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