Klassiker

Lateiner am Mattsee: Tu felix Austria!

Welche Pracht! Dirndl und Lederhosen vor Alpenkulisse. Und überm grünlich schimmernden See alte Lateiner. Eine Zeitreise nach Österreich

Jochen Rieker am 11.09.2012
Lateiner Cup am Mattsee

Lateiner Cup am Mattsee

Satte Wiesen. Fesche Buam. Hübsche Madln. Heile Welt. Man denkt schon an eine Inszenierung, und so ganz daneben liegt die Vermutung nicht. Dennoch: Es gab ihn wirklich, den Lateiner Cup am malerischen Mattsee. 

So etwas lassen sich – außer Schotten vielleicht – nur Österreicher einfallen. Und niemand würde es stilsicherer zelebrieren. Vergangenes Wochenende also verzauberte ein halbes Dutzend alter Holzkähne mit Schratsegel das stille Voralpenrevier. Eine Regatta? Eher ein Happening. Aber zum Niederknien schön.

Nein, keine Häme hier! Kein Misston! Allenfalls der Neid treibt uns um.

Wir im kühlen Norden, und kühl war der Sommer heuer wahrlich!, würden ja nicht einmal dann Vergleichbares zustande bringen, wenn wir wollten. Das geht sich nur im halb mediterranen Süden aus. Bussi hier, Herr Magister dort. Und dann diese Stimmigkeit! Durchkomponiert bis hin zum strahlenden Sonnenschein.

Fotostrecke: Zeitreise: Lateiner am Mattsee

Der Lateiner, erklärt uns die Frieser Viktoria von der PR-Agentur, sei ein "Ruder- und Segelboot mit ca. 5 Meter Länge inkl. 2 Paar Riemen und einem Steuerruder. Aus heimischem Eichen-, Fichten- und Lärchenholz gefertigt, ist er das traditionelle Segelboot der Voralpen-Seen." Einfach, aus dem Vollen gehobelt, aber gerade deshalb so urig. Seine Geschichte reicht hundert Jahre zurück, die des simplen Riggs bis in die Antike.    

Der Gössl Gerhard fand die Bootsklasse so klass, wie man in Österreich sagt, dass der Trachtenschneider seinen Namen, ein paar Trachten und Taler dazugab zu dem Event, der fortan seinen Namen trug. „Der Lateiner ist ein Boot, das durch Schönheit und Multifunktionalität besticht. Aber in erster Linie ist dieses Segelboot ein Bekenntnis zur Tradition“, so Gössl über den Gössl Lateiner. „Das ist genau das richtige Boot zu meinem Gwand.“

Nautic Steiner und der Mattseer Segelclub halfen auch mit beim Cup. Nur das ZDF fehlte, das hier einen großen Heimatfilm hätte drehen können.

Lateiner Cup am Mattsee

Erster, mit Hut: Gazarri

Der Sieger? Ein alter Fuchs und guter Freund. Luis Gazarri heißt er, Kat-Spezi, beinharter Regattasegler und nebenbei Chef der ortsansässigen Yachtrevue. Man trifft ihn oft in der Adria. Am Mattsee aber auch bisweilen. Und meist weit oben auf dem Trepperl. Wie jetzt wieder. Drei Wettfahrten am Samstag, gefolgt von "heimischen Schmankerln", galt es für ihn zu bestehen. Am Sonntag dann noch die Langstrecke. So lang, wie's halt geht auf 4,2 Kilometer Länge.

Gazarri also, vornehm genug, seinen Sieg auf den eigenen Seiten nicht zu besingen, gab dies zu Protokoll: "Gegen so hübsche Frauen in Dirndln bin ich noch nie gesegelt." Und mehr aufs Sportliche gemünzt: "Dies war meine erste Lateiner-Regatta und eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens." Das will bei ihm was heißen.

Dabei, leicht war's nicht: "Der Lateiner ist sehr Trimm-empfindlich, sehr anspruchsvoll zu segeln." Den letzten Satz muss der Kollege siegestrunken von sich gegeben haben, aber wir zitieren der Vollständigkeit halber dennoch: "Ein gutes Jollen-Feeling und die Schönheit des Bootes sind herausragend." Tu felix Austria!

Jochen Rieker am 11.09.2012

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