Seglertag München 2017

Klarer Sieg für Mona Küppers – aber auch Kritik am Präsidium

Die 63-Jährige wurde gestern mit großer Mehrheit zur Präsidentin des DSV gewählt – und will die begonnene Restrukturierung künftig konsequent zu Ende bringen

Jochen Rieker am 26.11.2017
Präsidiumswahlen beim Seglertag in München
YACHT/S. Jürgensen

Präsidiumswahlen beim Seglertag in München 

Es war ein beeindruckender Wahlsieg. In dieser Höhe kam er sogar für die Präsidentin selbst unerwartet, wie sie sagte. Mit 3544 zu 1114 Stimmen setzte sich Mona Küppers klar gegen Oliver Kosanke vom Mühlenberger Segelclub durch.

Obwohl ihr Herausforderer viele große und einflussreiche Vereine hinter sich wusste, konnte Küppers mehr als drei Mal so viele Delegierte überzeugen. Statt des von manchen befürchteten knappen Ergebnisses feierte die Rheinländerin vom Oberhausener Segel-Club nichts weniger als einen Triumph – und ist nun obendrein die erste ordentlich gewählte Frau an der Spitze des DSV-Präsidiums, ein Novum in der 129-jährigen Geschichte des Verbands.

Präsidiumswahlen beim Seglertag in München

Herausforderer Oliver Kosanke gratuliert Mona Küppers zu ihrem Triumph

Als das Ergebnis im vollbelegten Tagungssaal des Hotels "Eurostars Grand Central" in München verlesen wurde, gab es minutenlangen Applaus und stehende Ovationen für Küppers. Einer der Ersten, der gratulierte, war der unterlegene Oliver Kosanke. Es war eine faire Geste am Ende eines hart geführten Wahlkampfs – und zum Abschluss eines durchaus kontroversen Seglertags.

Auf dem alle zwei Jahre abgehaltenen Treffen der Vereine deutete zunächst wenig darauf hin, dass die Veranstaltung einen so versöhnlichen Ausgang nehmen würde.

Denn in einigen Punkten sah sich das Präsidium mit deutlicher Kritik konfrontiert; mehrere Anträge der Verbandsspitze fanden keine Mehrheit, darunter die Einführung einer neuen Satzung. Auch ihr Vorschlag für eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge fiel bei den Delegierten durch – wenngleich der stattdessen beschlossene Antrag des Seglerrates nur geringfügig darunter blieb.

Besonders kontrovers wurde die finanzielle Lage des DSV diskutiert, der dieses Jahr erstmals in seiner Geschichte ein Darlehen über 600.000 Euro aufnehmen muss, um voll handlungsfähig zu bleiben und die angeschobenen Investitionen stemmen zu können.

Mehrere Sprecher monierten eine unsolide Haushaltsführung in den zurückliegenden Jahren. Am deutlichsten wurde Christoph Hillebrand vom Kölner Yachtclub, selbst lange Zeit Schatzmeister des Verbands. "Zu meiner Zeit haben wir Gewinne in den Tochtergesellschaften versteckt", sagte er. Heute müsse der Verband Geld an die Marketing GmbH überweisen, um eine Insolvenzgefahr abzuwenden. Hillebrand forderte deshalb einen strikten Sparkurs und einen auch personellen Neuanfang im Präsidium.

Den gibt es, wenn auch nur in Teilen. Weil der für Finanzen zuständige Vizepräsident Udo Scheer und der Vize Recht Dietmar Reeh nicht wieder kandidierten, wurden deren beider Positionen neu besetzt: Schatzmeister ist künftig Claus-Otto Hansen vom Flensburger Segel-Club; als Syndikus erhielt Andreas Löwe vom Motor-Yachtclub Überlingersee das Vertrauen der Delegierten.

Torsten Haverland, zuständig für den Leistungssport, wurde im Amt bestätigt; er setzte sich klar gegen den Kieler Jobst Richter durch. Neuer Vizepräsident für Breitensport ist Clemens Fackeldey vom Verein Seglerhaus am Wannsee. Er rückt für Mona Küppers nach, die aufgrund der Wahl zur Präsidentin ihr ursprüngliches Ressort aufgab.  

Eine ausführliche Analyse der Beschlüsse des Seglertags lesen Sie in YACHT 1/2018, ab dem 13. Dezember am Kiosk.

Jochen Rieker am 26.11.2017

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