Hurrikane

"Irma" verwüstet die nördlichen Leewards

Die Inseln St. Martin und Barbuda wurden am stärksten getroffen, aber auch auf den BVIs gab es massive Schäden. Charterflotten sind teils zerstört

Andreas Fritsch am 07.09.2017
BVI
Ron Gurney/Handout via REUTERS

Verwüstungen in der Paraquita Bay auf Tortola

Mit Böen um die 300 Stundenkilometer traf der Hurrikan der Kategorie 5 gestern zunächst Barbuda, dann St. Martin und später die British und US Virgin Islands. Die Schäden sind besonders auf den ersten beiden Inseln verheerend. Barbudas Regierungschef Gaston Brown sagte in einem Radio-Interview, die Insel sei "total zerstört", sie sei "nur noch ein Haufen Schutt", 95 Prozent aller Häuser seien vernichtet, es gab einen Toten. Barbuda ist eine flache Koralleninsel und steht nun zum großen Teil unter Wasser.

Irma

Gestern Mittag lag das Auge des Sturms genau über der Insel St. Barth

Genauso hart traf es die französisch-niederländische Insel St. Martin. Daniel Gibbs, Präsident des Gebietsrates der Insel sagte, 95 Prozent der Gebäude lägen in Schutt und Asche, mindestens sechs Menschen seien gestorben. Er "sei geschockt" vom Ausmaß der Zerstörung. Auch die Charterbranche wurde von dem Monster-Hurrikan schwer getroffen. Lucie Barone, Inhaberin der deutsch-französischen Charterfirma VPM und der deutschen Charteragentur Barone Yachting, die Basen in der ganzen Karibik haben, berichtete auf Nachfrage der YACHT von den Folgen des Sturms:

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Lucie Barone

"Unsere Mitarbeiter sind alle wohlauf, zum Teil haben sie aber auch die Inseln vorher verlassen. Wir konnten alle Boote auf den BVIs rechtzeitig abziehen, auf St. Martin gelang es uns das nicht mehr ganz vor Ankunft des Sturms. 13 Yachten und Kats sind entweder schwer beschädigt oder zerstört. Aber zwei Drittel unser Flotte konnten wir retten, indem wir die Schiffe kurz vor 'Irmas' Ankunft nach Süden gebracht haben. Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen und machen uns jetzt an den Wiederaufbau." Schwierig sei gewesen, dass bis Sonntag nicht klar war, ob der Sturm auch Guadeloupe trifft. So war nicht sicher, ob die Schiffe dort oder in St. Martin besser aufgehoben waren. 

Zugbahn

Zugbahn, Luftdruck und Windgeschwindigkeiten von "Irma"

Die Basis in St. Martin sei verwüstet, der Flughafen ist derzeit gesperrt, es gibt keinen Strom und keine Telefonverbindungen. "Wir haben unsere Mitarbeiter aber schon länger mit Satelliten-Telefonen für den Notfall ausgerüstet, damit koordinieren wir nun eine erste Übersicht der Lage und die Aufräumarbeiten an der Basis. Aber noch müssen wir ja abwarten, wie sich 'José, der nächste Sturm, entwickelt. Er könnte durchaus wieder die Inseln treffen." Während des Sturms telefonierte sie mit einem Mitarbeiter auf St. Martin, doch es war so laut, dass kein Wort zu verstehen war. 

Schwer getroffen hat der Sturm offenbar auch die Charterflotten in den BVIs. Erste Fotos aus der Paraquita Bay auf Tortola zeigen gesunkene und ineinander verkeilte Yachten und Katamarane. In der Lagune lagen vor dem Sturm Dutzende von Charteryachten. Auf Nachfrage der YACHT erklärte Sunsail und Moorings:

Wir sind in Gedanken bei all denjenigen, die derzeit von Hurrikan 'Irma' betroffen sind. Uns liegen Informationen über umfangreiche Schäden an unserer Flotte und Gebäuden vor, und wir werden die Lage in den nächsten 24 Stunden beurteilen. Wir verfolgen weiterhin die Entwicklungen um den Sturm und werden weitere Informationen bekanntgeben, sobald diese zur Verfügung stehen."

Der Hurrikan richtete auch auf der französischen Insel St. Barth schwere Schäden an. YACHT-Meteorologe Dr. Michael Sachweh berichtet über seine Stärke: "'Irmas' maximale Windgeschwindigkeit beträgt geschätzt bis zu 360 km/h. Messungen waren bisher schwierig, weil alle Messinstrumente der Wetterstationen und Flughäfen ausgefallen waren beziehungsweise zerstört wurden. Die letzte gesicherte Messung stammt von Barbuda: 250 km/h. Danach brachen die Daten ab, weil die Station zerstört wurde. Zur Einordnung: Ab 118 km/h spricht man von Orkan." Französische Karten der Zugbahn zeigen nach wie vor Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Knoten. Windstärke 12 beginnt laut Beaufort-Skala bei 64 Knoten. 

Der Sturm zieht nun in nordwestlicher Richtung weiter, wird vermutlich Haiti, die Dominikanische Republik und Kuba streifen, bevor er dann das amerikanische Festland erreichen wird. Dort laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren, Florida wird ganze Landstriche evakuieren. Noch immer ist "Irma" ein Sturm der Kategorie 5 und einer der drei stärksten je gemessenen überhaupt. 

Andreas Fritsch am 07.09.2017

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