Langfahrt

Iren versenken deutsches Geisterschiff

Yacht trieb zehn Monate über den Atlantik / Crew hatte sich 2014 abbergen lassen / Eigner wollte sie bergen, doch die Marine kam ihm zuvor

Pascal Schürmann am 21.09.2015
Troll

Schiff versenkt. Das letzte Foto der "Troll"

Die Verbitterung von Thomas Mallunat ist riesengroß. Sein Schiff, die "Troll", ist von der irischen Marine rund 150 Seemeilen vor der Südwestküste Irlands ohne Rücksprache mit dem Eigner versenkt worden. Und das, wie Mallunat jetzt erst erfuhr, bereits Mitte August.

Erst kurz zuvor hatte er sein lange verloren geglaubtes Boot wiederentdeckt. Es war quer über den Atlantik getrieben, nachdem sich Mallunat und seine Frau Susanne im vergangenen Herbst rund 100 Seemeilen westlich Bermuda von einem Frachter hatten abbergen lassen. Susanne Mallunat war zu dem Zeitpunkt erkrankt, ein Verbleib an Bord schien dem langjährig erfahrenen Langfahrerpaar aussichtslos. Schweren Herzens ließen sie ihre "Troll" zurück, eine 42-Fuß-Stahlyacht mit einem selbst angefertigten, hölzernen Dschunkenrigg.

Dann Mitte August die für Mallunat unglaubliche Nachricht: Die "Troll" war wieder aufgetaucht. Da trieb das Schiff weit südlich der irischen Küste mit Kurs auf den Eingang des Ärmelkanals. Die Marine schickte dem Eigner Fotos, die bei einem Überflug des Bootes gemacht worden waren.

Troll

Die "Troll" kurz vor ihrer Versenkung

Mallunat setzte daraufhin alles in Bewegung, sein Schiff zu bergen. Anfragen bei professionellen Bergungsunternehmen, so berichtet er auf Facebook, hätten jedoch schnell ergeben, dass diese viel zu teuer für ihn gewesen wären. Also wollte er abwarten, bis die "Troll" irgendwo nahe genug an eine Küste getrieben worden wäre, um sich dann gegebenenfalls irgendwie zum Boot übersetzen und es für geringere Kosten in den nächsten Hafen schleppen zu lassen. Er habe sogar eigens die britische Küstenwache kontaktiert, die das Schiff am liebsten sofort loswerden wollte. Das Geisterschiff gefährde die Schifffahrt.

Mallunat bat über Facebook um Unterstützung, fragte nach Kontakten zu Fischern oder anderen Bootsbesitzern in der Region, die ihm helfen könnten, sein Boot zu bergen. Doch dann der Schock, die "Troll" verschwand so plötzlich, wie sie kurz zuvor erst aufgetaucht war, wieder von der Bildfläche. Niemand sichtete sie mehr, es gab auch keine Informationen von der Küstenwache. Noch Ende August rätselte Mallunat, wo sein Schiff sein könne.

Erst Anfang vergangener Woche dann informierte die irische Marine Thomas Mallunat darüber, dass die "Troll" versenkt worden sei, und zwar am 19. August auf 49° 18,85 N, 010° 32,36 W inmitten der Keltischen See. Die Aktion sei von den Iren in Absprache mit der britschen Küstenwache durchgeführt worden. Die Gefahr, dass die "Troll" unkontrolliert auf die Hauptschifffahrtsrouten zutrieb, schien den Verantwortlichen offenbar zu groß.

YACHT-Interview Mallunat

So berichtete die YACHT Anfang 2015 über die Abbergung der Mallunats von ihrer "Troll"

Vielleicht hat zu dem Entschluss, das Boot auf Tiefe zu schicken, auch beigetragen, dass die "Troll" sich nach ihrer zehn Monate langen Drift äußerlich in einem recht erbarmungswürdigen Zustand befand. Wahrscheinlich vermochten sich die Briten und Iren nicht vorstellen, dass jemand an solch einem Boot noch ein ernsthaftes Interesse hatte.

Dass die "Troll" es überhaupt bis vor die europäische Küste geschafft hat, grenzt nahezu an ein Wunder. Thomas Mallunat hatte Anfang März dieses Jahres in einem Interview mit der YACHT (Heft 5/2015) berichtet, dass seine Frau und er das Schiff mit offenen Luken und Fensten verlassen hätten. Es selbst glaubte damals nicht daran, dass es überhaupt noch schwamm. Vielmehr ging er davon aus, dass es bereits im ersten Herbststurm auf dem Nordatlantik gesunken sei.

YACHT-Interview Mallunat

So berichtete die YACHT Anfang 2015 über die Abbergung der Mallunats von ihrer "Troll"

Das Mitgefühl für die Mallunats ist groß. Im Web äußern die meisten User Unverständnis über die Aktion der irischen Marine. Einer schreibt: "Das darf nicht wahr sein! Da kämpft sich 'Troll' alleine bis nach Europa durch, um von ein paar Marine-Rambos versenkt zu werden. Tut mir echt leid für Euch!" Ein anderer: "Sorry. Das sind echt besch... Nachrichten, Eure Gefühlsachterbahn ist sicher nicht ohne."

Mallunat selbst zeigt sich insbesondere verärgert über die britische Küstenwache, die ihn schlicht nicht über die bevorstehende Versenkung informiert habe, obwohl er seine Bergungsabsichten kundgetan habe und zu diesem Zweck sogar schon an die Südwestküste Englands gereist war.

Er schließt mit den Worten: "Jetzt wissen wir zumindest, warum wir 'Troll' nicht mehr gesichtet haben!"

Pascal Schürmann am 21.09.2015

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