Rekord für Gabart

Großer Empfang für einen bescheidenen Helden

YACHT-Reporter Marc Bielefeld war am Wochenende in Brest, um die Ankunft von François Gabart und seinem Trimaran "Macif" zu verfolgen. Eindrücke aus erster Hand

Marc Bielefeld am 18.12.2017
Angekommen. Francois Gabart in Brest nach seinem Solo-Nonstop-Rekord auf "Macif"
YACHT/M. Bielefeld

Angekommen. François Gabart in Brest nach seinem Solo-nonstop-Rekord auf "Macif"

Kurz vor zwei Uhr Sonntagnacht fährt François Gabart vor der Insel Ouessant über die imaginäre Ziellinie, die das Ende seiner Solo-Nonstop-Weltumsegelung markiert – nach nur 42 Tagen, 16 Stunden, 40 Minuten und 35 Sekunden. Der Rest ist bereits in dem Moment unfassbare Segelgeschichte.

Gleich mehrere Bestmarken bricht der Franzose auf seiner Fahrt um die Erde. Er nimmt dem bis dahin amtierenden Rekordhalter Thomas Coville, der seinerseits erst vor einem Jahr eine Zeit hingelegt hatte, die kaum schlagbar erschien, sage und schreibe sechs Tage ab! 

Die Welt ist sprachlos, verneigt sich einmütig – als ob da kurz vor Weihnachten ein neuer Heiliger von den Weltmeeren zurückkehrt. In Brest wird Gabart am Sonntag morgen entsprechend empfangen. Obwohl es ein klammer dritter Advent ist, fahren ihm weit über hundert Schiffe entegegen: Lotsen-, Marine-, Fischerboote, Yachten, Fähren und Dutzende Ribs begleiten den mächtigen Tri von Gabart in den Hafen. Am Himmel fliegen Helikopter, auf den letzten Metern kommen sogar Kanuten und Stand-up-Paddler ganz nah heran und brüllen: "François! François!"

Der hat schon draußen rote Rauchfackeln gezündet, turnt vergnügt auf seinen drei Rümpfen herum und winkt, winkt, winkt. Ganz offensichtlich genießt er das Spektakel zu seinen Ehren in vollen Zügen nach diesen sechs einsamen Wochen auf den Ozeanen. Seine Einfahrt nach Brest ist nichts anderes als ein Triumphzug.

Angekommen. Francois Gabart in Brest nach seinem Solo-Nonstop-Rekord auf "Macif"

Massenandrang an der Mole

Über 5000 Menschen haben sich eingefunden, säumen die Mole und drängeln sich am Quai Malbert, wo die "Macif" schließlich festmacht. Flaggen wehen, darauf: "Bravo", "François" und "Brest – Port des records". Eine ganze Traube Journalisten streckt Gabard sofort die Mikrofone vors Gesicht, von überall kommen Schreie, werden Kameras und Handys auf den Rekordsegler gerichtet.

Gabarts Gang an Land – nach diesen 42 Tagen kaum vorstellbarer Geschwindigkeit, brutaler Anstrengung und radikalem Schlafmangel – wirkt höchst professionell. Er gibt Interviews, bergüßt die Menge, lässt den Schampus knallen und wirkt dabei noch erstaunlich frisch. Und vor allem: bescheiden. Sein Dank gilt seinem Team und den Menschen von Brest, die ihn so grandios empfingen. "Ich bin unendlich dankbar", sagt Gabart vor der jubelnden Menge.

Anschließend fliegt Konfetti, spielt laute Musik. Erst nach anderthalb Stunden wird Gabart entlassen, nachdem er noch einen Handabdruck für den Brester "Walk of fame" der Segler abgegeben hat. Danach ist sein Programm noch immer nicht beendet. Eine einstündige Pressekonferenz steht er durch, vor den laufenden Mikros und Kameras fast aller großen französischen Sender.

Erst dann kann er sich fürs Erste verabschieden. Auf die letzte Frage der Reporter, was er denn gleich machen werde, antwortet Gabart mit einem Wort: "Dodo" – schlafen. 

Marc Bielefeld am 18.12.2017

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