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Frontalangriff auf den Segelsport

Bundesregierung plant weitere Restriktionen für Segler

Uwe Janßen am 21.03.2007

Die Kennzeichnungspflicht für Yachten auf Seeschifffahrtsstraßen soll kommen, ebenso wie eine folgenreiche Ausrüstungspflicht sowie verschärfte Bedingungen im Führerscheinwesen. Und die Wassersportverbände, denen sich dadurch zusätzliche Einnahmequellen erschließen, wirken an dem neuen Regelwerk maßgeblich mit. Die Zeche zahlt der Segler.

In ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe berichtet die YACHT über schwer wiegende Reformvorhaben. Eine kostenpflichtige Kennzeichnung, quasi ein Nummernschild fürs Boot, ist ebenso vorgesehen wie eine Beschränkung der Gültigkeit des Sportbootführerscheins See und weit reichende Ausrüstungsvorschriften. Damit würden nicht nur zusätzliche Geräte verlangt, etwa spezielle UKW-Funkanlagen, sondern gleichfalls die erforderlichen Lizenzen für deren Bedienung. So wird das ohnehin exorbitante Regulierungs- und Kostenniveau im Fahrtensegeln noch wesentlich erhöht.

Der Anlass für diese Überlegungen ist überaus fragwürdig. Die Initiatoren in Bundesverkehrsministerium und Verbänden begründen die Maßnahmen mit Sicherheitsbedenken, obwohl die Unfallzahlen seit Jahren konstant niedrig liegen. Für einen Anstieg des Risikos beim Segeln gibt es keinerlei Indiz, geschweige denn einen Beleg. Ausgewiesene Branchenkenner verneinen unisono jeglichen Handlungsbedarf. Sogar die Versicherer, die Schadensfälle und –entwicklungen als Erste registrieren. Das bestätigte Jürgen Tracht, Geschäftsführer beim Bundesverband Wassersportwirtschaft (BWVS): „Wir haben ganz objektiv kein Sicherheitsproblem, und das lässt sich beweisen“.

Dennoch haben verschiedene Gremien, weithin unter Ausschluss der Öffentlichkeit, einen Katalog von Grausamkeiten erarbeitet, die den vollmundig angekündigten Deregulierungs- und Entbürokratisierungsbemühungen diametral zuwider laufen. Und die Bedrohung ist akut. Gerhard Philipp Süß, Generalsekretär des Deutschen Segler-Verbands (DSV), erklärt in der YACHT, „die Thematik“ befinde sich „in der Umsetzungs-, nicht in der Diskussionsphase.“ Eine entsprechende Antwort der Bundesregierung vom 14. März auf eine Kleine Anfrage der FDP bestätigt das: „Die Bundesregierung ist durch den diesbezüglichen Beschluss der Sicherheitskonferenz für die Sportschifffaht im Seebereich vom 6. April 2006 aufgefordert, eine Begrenzung des Geltungsbereichs des Sportbootführerscheins-See auf zu bestimmende Gewässer vorzunehmen.”.

Neben Kennzeichnungs- und Ausrüstungspflicht birgt diese Reform des Führerscheinwesens besonderen Zündstoff. Außer der erwähnten Gültigkeitsbeschränkung sind erhebliche Erweiterungen der Ausbildungsinhalte und eine Standardisierung der Prüfungsvorbereitung vorgesehen. Der Umfang der praktischen Ausbildung soll deutlich größer werden („z. B. Nachtfahrten”), zugleich ist eine Verringerung der Theorie-Anteils nicht vorgesehen. Auch wäre autodidaktisches Lernen den Plänen zufolge nicht mehr möglich, die Kandidaten würden gezwungen, entsprechende Kurse zu belegen – und zu bezahlen.

Der DSV, formal Interessenvertreter von 1350 Vereinen und etwa 190 000 Seglern, hat die Einladung der YACHT zu einem runden Tisch zu der Thematik ausgeschlagen. Er ist mit der Durchführung entsprechender, kontenintensiver Prüfungen beliehen, etwa für Führerscheine und Funklizenzen. Der Verband war zudem an dem Entwicklungsprozess der Reformen beteiligt und soll laut BWVS-Mann Tracht künftig auch für die Erteilung der Kennzeichen zuständig sein.

Sie können die aktuellen Stellungnahmen der Leser, die das Heft im Abonnement bereits am vergangenen Wochenende erhalten haben, im online-Forum verfolgen.

Die YACHT bietet ihren Lesern die Möglichkeit, gegen diese Vorhaben zu protestieren. Sie müssen dazu ein Formular herunterladen (PDF, ca. 32 KB), es ausfüllen und unterschrieben an die Redaktion senden. Dort werden sie gesammelt und den entsprechenden Stellen zugeleitet.

Den kompletten Report mit Hintergründen und Stellungnahmen zu den hochbrisanten Reformprojekten lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der YACHT, die ab dem 21. März am Kiosk erhältlich ist.

Uwe Janßen am 21.03.2007

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