Weltregatta

Folge des Brexit: Das Golden Globe kehrt England den Rücken

Kein Geld fürs Revival der ruhmreichsten britischen Regatta. Organisatoren sehen sich gezwungen, den Start- und Zielhafen nach Frankreich zu verlegen

Pascal Schürmann am 06.10.2017
Golden Globe Race
GGR

Golden Globe Race 1968

Knapp ein Jahr vor dem mit Spannung erwarteten Start des Golden Globe Race 2018, das an die legendäre erste Nonstop-Weltumsegelungsregatta für Einhandsegler vor dann 50 Jahren erinnern soll, haben die Initiatoren der Veranstaltung eine harte Entscheidung getroffen: Nicht wie zuletzt geplant Plymouth an der englischen Kanalküste wird Start- und Zielhafen des Rennens sein, sondern Les Sables d’Olonne an der französischen Atlantikküste. Das erklärte Don McIntyre, der die Idee für die Jubiläumsveranstaltung hatte.

Als Grund für die Verlegung führt er den Brexit an, den Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Zum einen hätten erst Falmouth, das zunächst als Starthafen ins Auge gefasst worden war, und nun auch Plymouth infolge von Budgetkürzungen keine ausreichende finanzielle Unterstützung in Aussicht stellen können. Schwerer noch aber wiege, dass auch potenzielle Sponsoren nicht bereit gewesen seien, angesichts der Unsicherheiten, die der Brexit mit sich bringe, Gelder für eine in England stattfindende Großveranstaltung zur Verfügung zu stellen. 

Man habe sich, so McIntyre, mit der Entscheidung nicht leichtgetan und lange nach anderen Alternativen gesucht, um die Veranstaltung in ihrer ursprünglichen Heimat zu belassen. Am Ende habe man aber vor den Auswirkungen des Brexits kapitulieren müssen. 

Des einen Leid, des anderen Freud

In Les Sables d’Olonne ist das Golden Globe Race 2018 mit offenen Armen empfangen worden. Yannick Moreau, Präsident der Provinz Sables d’Olonne, hieß das Rennen als "Vater aller Einhand-um-die-Welt-Regatten" willkommen. Es sei eine wahrhaftige Herausforderung, die den Menschen und nicht die Maschine ins Zentrum eines maritimen Abenteuers rücke. Moreau betonte, das Golden Globe sei eine Veranstaltung allererster Güte, dem man alle erdenkliche Unterstützung gewähren werde.

Die bis zu 30 Soloskipper werden also am 1. Juli kommenden Jahres nicht nur von Les Sables d’Olonne aus starten. Die Stadt wird auch die Siegesfeierlichkeiten ausrichten. Trotz des Länderwechsels und trotz der Tatsache, dass die Rennleitung gleichfalls nach Frankreich verlegt werden wird, bleibe Englisch aber offizielle Rennsprache. Es werde nun allerdings alles auch ins Französische übersetzt, so die Veranstalter.

Und: Die Suhaili Falmouth Parade of Sail soll ungeachtet dessen wie geplant am 14. Juni kommenden Jahres in England stattfinden. Das ist der 50. Jahrestag, an dem Sir Robin Knox-Johnston damals aufbrach, um der erste Mensch zu werden, der die Welt nonstop und einhand unter Segeln umrundete. An seinem Ehrentag wird Knox-Johnston mit seiner längst berühmten "Suhaili" an der Parade teilnehmen. Mit dabei sind dann zudem Bernhard Moitessiers "Joshua" und auch Sir Francis Chichesters "Gipsy Moth IV". 

Sir Robin Knox-Johnston

Knox-Johnston selbst zeigte sich zutiefst enttäuscht über den Weggang des Rennens nach Frankreich. In einer ersten Reaktion sagte er: "Wir sind blind in diesem Land. Wir haben immer noch nicht erkannt, was für ein großartiger Sport das Segeln ist und wie viele Menschen das hier bei uns machen und wie gut sie darin sind." 

Logo Golden Globe Race

Golden Globe Race 1968–2018

Pascal Schürmann am 06.10.2017

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