Seefahrtshistorie

Expedition nimmt Kurs auf die Arktis

Mit der 47-Fuß-Yacht "Arctic Light" will eine internationale Crew unter dem deutschen Skipper Jochen Werne bis auf 81 Grad Nord vorstoßen

Pascal Schürmann am 20.07.2016
SY "Arctic Light"

Expedition im Eis

Am Wochenende startet eine multinationale Segelcrew unter Führung des Global Offshore Sailing Teams (GOST) und dem Münchener Skipper und Expeditionsleiter Jochen Werne von Longyearbyen auf Spitzbergen aus gen Norden. Die Expedition mit dem Namen "Arctic Ocean Raptor" will im Gedenken und auf den Spuren berühmter Arktis-Forscher den 81. Breitengrad erreichen.

81 Grad Nord

Spitzbergen und 81 Grad Nord

Der Chefhistoriker der Expedition Bernd Lehmann erklärt: "1553 gab es eine erste Arktisexpedition im Auftrag Londoner Kaufleute, um den Seeweg nach China nördlich des russischen Kontinents zu finden. 1593 startete erneut eine Expedition, als zwei niederländische Schiffe unter dem Navigator Willem Barents nach Nordosten segelten. Auch dieser Versuch scheiterte am Eisgang bei Nowaja Semlja. Auf dem Rückweg entdeckte Barents im Juni 1596 jedoch Spitzbergen und dabei auch das dortige Habitat der Wale."

Mit königlicher Unterstützung

Unterwegs sein werden die Segler auf einer Delphia 47 – und mit Unterstützung mehrerer Staatsoberhäupter. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Norwegens König Harald V. sowie die kanadische als auch die italienische Regierung sandten offizielle Grußbotschaften.

Logo Arctic Ocean Raptor

Arctic Ocean Raptor

Die Expedition will mit der extremen Fahrt bis zur voraussichtlichen Eisgrenze neben historischem Gedenken auch die Aufmerksamkeit auf das empfindliche arktische Ökosystem lenken. Der zweite Teil der Expedition führt anschließend von Longyearbyen aus nach Süden. Am Rand der nördlichen Norwegen-See soll jener Seeleute und Flieger aller Nationen gedacht werden, die an den arktischen Konvoi-Operationen im Zweiten Weltkrieg teilgenommen haben.

Gedenken an Marinesoldaten

In einer Erklärung der Expedition heißt es: "Sie hatten unter den dort herrschenden teilweise erbarmungslosen Wetterbedingungen sowie der ständigen Bedrohung des jeweiligen Gegners ihre seemännischen Pflichten erfüllt. Zur deren aller Erinnerung wird die Crew auf ca. 77 Grad nördlicher Breite in einer feierlichen Zeremonie im Auftrag des norwegischen Königs Harald V. und der kanadischen Regierung jeweils einen Kranz der See übergeben unter Begleitung der Nationalhymnen auf einem Kornett. Des Weiteren hat auch das Russian Arctic Convoy Museum Project in Loch Ewe, Schottland um ein Gedenken gebeten."

Das Global Offshore Sailing Team arbeitet mit verschiedenen schifffahrtshistorischen Institutionen zusammen, darunter die Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte, das Internationale Maritime Museum Hamburg, die Asociación para la Investigación y Difusión de la Historia Naval de Cuba, die Associazione Nazionale Bersaglieri sowie das britische Royal Cinque Ports Yacht Clubs. Der Verlauf der Expedition kann via Internet mitverfolgt werden.

Förderung globaler Beziehungen

Jochen Werne

Expeditionsleiter Jochen Werne

Das GOST wurde im Jahre 1999 von Jochen Werne und Guido Zoeller mit dem Ziel der Etablierung und Förderung globaler Beziehungen und des internationalen Austausches durch das Gedenken historischer Ereignisse auf See gegründet. Die Mitglieder stammen aus unterschiedlichsten Nationen (u. a. Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, USA, Spanien, Kasachstan, Palästina und Griechenland). Mit weltweiten Expeditionen gedenkt GOST historischer Ereignisse und spannt dabei den Bogen zwischen Geschichte und Gegenwart, um maritime Traditionen aufrecht und lebendig zu erhalten.

Zu den wichtigsten Expeditionen der letzten Jahre zählen der "Arctic Ocean Predator 2011” von Tromsø durch arktische Gewässer nach Svalbard, die "Expedition Cerberus 2012” auf den Spuren des Unternehmens Cerberus im Jahre 1942 von Brest nach Kiel sowie 2015 die "Expedition 176 – The Cuban Sub Battle” im Gedenken an die Opfer des kubanischen Molassetankers Mambi und des am 15. Mai 1943 vor Kuba versenkten deutschen U-Bootes 176.

Pascal Schürmann am 20.07.2016

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