10 Jahre nonstop

Erinnerung an Wilfried Erdmanns Solo

Am vergangenen Wochenende jährte sich die Rekordfahrt des bekannten Extremseglers zum zehnten Mal. Grund zum Feiern – und Erinnern

Jochen Rieker am 25.07.2011
Erdmann nonstop

Erdmann nonstop, Bericht der YACHT aus Heft 16-2001

Die Idee zu einem Treffen hatte seine Frau. "Er selbst ist ja nicht so der Typ, der gern im Rampenlicht steht", sagte Astrid Erdmann am Sonnabend. Im kleinen Kreis von Freunden und Wegbegleitern beging Wilfried vergangenes Wochenende denn auch leise und bescheiden, wie es so seine Art ist, den zehnten Jahrestag seiner Rückkehr vom Einhand-Nonstop-Törn um die Welt – gegen die vorherrschenden Winde.

Wilfried feiert

Wilfreid und Astrid Erdmann mit Freunden bei der Feier des Nonstop-Jubiläums

Es ist die zermürbendste, gefährlichste, längste Fahrt um die Erde. Kein Deutscher vor ihm hat sie je versucht. Nicht einmal zehn Menschen haben sie überhaupt geschafft. Eine Mount-Everest-Besteigung wirkt dagegen wie ein massentouristischer Kurztrip. Selbst auf dem Mond waren weit mehr Männer, als je nonstop solo gegenan gesegelt sind.

Am 23. Juli 2001 hatte Wilfried Erdmann das scheinbar Unmögliche vollbracht.

Er kehrte mit der 10,50 Meter langen Alu-Slup "Kathena nui" zurück nach Cuxhaven, wo 343 Tage zuvor seine historische Fahrt begonnen hatte. Schon weit draußen auf der Nordsee empfingen ihn die ersten Begleitboote. Um seiner Freude Ausdruck zu verleihen, enterte der damals 61-jährige mit affenartiger Geschwindigkeit, ohne Sicherung oder Seil, ins Rigg seiner Yacht auf – ein Kletterkunststück, das er später im Hafen gleich noch einmal wiederholte.

Es war ein Moment, den Hunderte Besucher und Fans nie vergessen werden. Und der viele bis heute tief berührt, die nur über die Medien davon erfuhren.

Beim abendlichen Treffen an der Schlei waren einige dabei, die den besonderen Augenblick damals live miterlebt hatten. Aber auch Freunde, die Wilfrieds und Astrids seglerische Abenteuer über die Jahre begleitet haben – darunter Burkhard Pieske und die Hamburger Heide und Günter Voigt, alle selbst Weltumsegler.

Auch ein junger Namensvetter war gekommen, der seinerzeit, erst 15 Jahre alt, am Steg der Segler Vereinigung Cuxhaven stand und Wilfried schüchtern die Hand schüttelte – nur um drei Jahre später nach dem Abitur einhand über den Atlantik zu segeln: Johannes Erdmann.

Johannes trifft Wilfried Erdmann bei dessen Rückkehr in Cuxhaven

Johannes (ganz li.) trifft Vorbild Wilfried Erdmann bei dessen Rückkehr in Cuxhaven

Was sich der emeritierte Weltumsegler wünscht? "Dass es mal wieder einer nonstop versucht", sagt Wilfried. Statt Blumen oder Geschenken baten Astrid und er deshalb um "Spenden für einen kommenden jungen Weltumsegler". Wer das sei, mochten sie allerdings noch nicht verraten. Nur so viel: "Wir haben zwei im Auge".

Die 36-seitige Titelgeschichte aus YACHT 16-2001 finden Sie hier. Ein Dokument seglerischer Zeitgeschichte!

Und das schrieb die YACHT im Sommer 2000, bevor Wilfried zu seinem Törn allein gegen den Wind aufbrach. 

 

Jochen Rieker am 25.07.2011

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