Buch-Premiere in Hamburg

Erdmann: "Hätte mit Heizung auch nicht mehr Spaß gehabt"

Bei einer Lesung in Hamburg gab Rekordsegler Wilfried Erdmann launige Einblicke in seine Fahrten und wie er zusammen mit Ehefrau Astrid die Nordsee erlebte

Jochen Rieker am 14.09.2017
Buch-Premiere mit Wilfried Erdmann
YACHT/J. Rieker

Buch-Premiere mit Wilfried Erdmann

Es ist egal, wo er auftritt. Gleich, von welcher Reise er erzählt. Keine Rolle spielt, dass er – inzwischen 77 Jahre alt – keine Rekorde mehr segeln kann und mag. Nach wie vor zieht Wilfried Erdmann die Menschen in seinen Bann. Jüngst folgten rund hundert Besucher im Hamburger Segel-Club an der Außenalster seinen Erzählungen: gespannt, gebannt, fast zwei Stunden ohne Pause. 

Buch-Premiere mit Wilfried Erdmann

Gefragt: Erdmanns Signatur 

Der Delius Klasing Verlag, in dem auch die YACHT erscheint, hatte anlässlich der Premiere von Wilfried Erdmanns jüngstem Werk  "Kathena und mein Logbuch nach Norden" zu einer Lesung geladen. Und die Gäste kamen teils von weit her. Carina und Ludger Eickmann etwa reisten eigens von Riederau am Ammersee an – gut 800 Kilometer mit dem Auto, einmal längs durch Deutschland. "Er ist einfach eine Inspiration", sagten die beiden, die gleich fünf Bücher erstanden und sie allesamt signieren ließen.

Es wurde ein äußerst kurzweiliger Abend. Und das lag am ungewöhnlichen Format. Die Lesung bildete lediglich den Schlusspunkt des Happenings – und umfasste, vom Autor höchstselbst vorgetragen – nur drei Buchseiten, in denen die Härten eines windigen Nordsee-Törns im hohen Alter deutlich wurden. 

Das höchst unterhaltsame Hauptprogramm bestand hingegen aus Einblicken der langjährigen Erdmann-Lektorin Birgit Radebold, die von den Eigenheiten und Besonderheiten der Arbeit mit ihrem Erfolgsautoren berichtete, und einem lockeren Interview, das NDR-Moderator Hans-Jürgen Mende mit Wilfried Erdmann führte.

In dessen Verlauf wechselten im Publikum Ergriffenheit und lautes Gelächter einander immer wieder ab. Denn Mende, selbst Segler und Erdmann-Fan, entlockte seinem Gegenüber so manches Bekenntnis, das den Rekordsegler gleichermaßen als Menschen wie als Ausnahmeerscheinung erlebbar machte. 

Buch-Premiere mit Wilfried Erdmann

Voller Saal, viele Lacher

Eigentlich war das Thema ja gesetzt: Es ging um die letzte große Reise mit "Kathena nui". Im Sommer vorigen Jahres segelten Astrid und Wilfried Erdmann auf ihrer berühmten Aluminium-Slup, die die Erde schon zweimal nonstop im Kielwasser hat, zu den Färöer-Inseln und nach Schottland. Darum geht es auch im Buch. Doch Hans-Jürgen Mende gelang es durch kenntnisreiche Zwischenfragen und pointierte Kommentare immer wieder, die Chronologie zu durchbrechen und seinem prominenten Gesprächspartner manche Schoten zu entlocken. 

So etwa auf die Frage, ob es nach der Nachrüstung eines 14-PS-Diesels jetzt nicht vielleicht Zeit sei, auch über Rollsegel oder wenigstens eine Heizung nachzudenken. Darauf schüttelte der als Purist bekannte Erdmann nur den Kopf und meinte, knochentrocken: "Ich hätte mit einer Heizung auch nicht mehr Spaß gehabt."

Bezeichnend ebenso seine Reaktion auf das Thema Navigation. Erstmals war auf "Kathena nui" ein Tablet mit Navi-App an Bord, das sich als durchaus hilfreich herausstellte. Ob er nach der Erfahrung beim nächsten Mal einen Plotter einbauen wolle, fragte der Moderator. Erdmann: "Nee. Das Tablet gehört ja auch Astrid, da hat sie immer reingeguckt."

Astrid Erdmann, die während des Abends die Einblendung von Videos und Fotos vom Törn per Beamer steuerte, sorgte ihrerseits für Erheiterung, indem sie – mitunter auch ungefragt – die Aussagen ihres Skippers kommentierte. Auf eine Frage aus dem Publikum etwa, wer denn die Entscheidungen treffe, wenn Wilfried nicht einhand, sondern mit seiner Frau unterwegs sei, platzte ihr heraus: "Jetzt bin ich aber auch mal gespannt!" Derweil wog ihr Mann noch seine Worte. 

Nächstes Jahr wollen die beiden wieder los. "Dann aber nicht so weit weg", stellte Astrid Erdmann klar. Bis dahin hätten die beiden ja eigentlich noch Zeit für ein paar Lesungen. Ausverkauft, wie in Hamburg, wären sie wohl allemal. Und kurzweilig ebenso.

Jochen Rieker am 14.09.2017

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