Das besondere Boot

Ein Schiff namens Wandra

Kompromisslos original. Der Motorsegler Wandra ist ein Paradebeispiel für eine perfekte Restuarierung

Martin-Sebastian Kreplin am 30.03.2010

Eine Taufe im eigentlichen Sinn ist es nicht, die an einem kühlen Juniabend des vergangenen Jahres zahlreiche Gäste in einem Yachthafen an der Schlei zusammenführt. Vielmehr spricht der Eigner von einer „Wiedertaufe“.

Die kleine Ketsch, die da hochglänzend am Steg schaukelt, hat bereits 71 Jahre auf den Planken. Und seit kurzem auch einen Totalrefit. Das charakteristische Backdeck mit dem hochgezogenen Bug weist die Konstruktion ziemlich eindeutig als traditionelle Motoryacht aus. Hingegen ist das klassische Kanuheck eher den für Skandinavien typischen Koster-Typen zuzurechnen.

Eigner Michael Brenner aus Wien, erklärter Liebhaber und Sammler klassischer Yachten, löst das Rätsel auf: „Was man hier sieht, sollte nach dem Willen des schwedischen Konstrukteurs Tore Herlin Mitte der dreißiger Jahre ein Motorsegler werden, der auch wirklich segelt".

Und genau in diesen Zustand hat Brenner das Schiff wieder überführt: ohne Schanz, Seereling und Bugspriet und mit dem Original-Rigg von 1937.

In dem jungen, kreativen Bootsbaumeister Jan van der Horst aus Kiel findet er einen Gleichgesinnten, der sich für das Refit-Projekt begeistern kann. Also wird „Wandra“ auf einen Tieflader gepackt und an die Förde geschafft.

Als van der Horst sich im Jahr 2005 an die Arbeit macht, staunt er nicht schlecht: Der aus Eichenholz aufgeplankte Rumpf ist kerngesund! Dennoch, wie das bei Totalrefits so ist: was zunächst überschaubar erscheint, entpuppt sich nach und nach als Fass ohne Boden.

Aus geplanten drei Jahren für die Überholung werden fünf. Die Geduld des Eigners wird auf eine harte Probe gestellt. Und so schlagen bis zur Wiedertaufe schließlich rund 2500 Arbeitsstunden zu Buche.

Doch wer das Schiff sieht, weiß, das sich all die Mühe gelohnt hat. Wo auch immer „Wandra“ auftaucht, darf sich der Eigner über bewundernde Blicke freuen. Dem Freundeskreis Klassische Yachten war das gelungene Refitprojekt 2009 sogar den begehrten Restaurierungspreis wert.

Mehr über dieses außergewöhnlich originaletreue Schiff lesen Sie ab sofort in der neuen YACHT, ab 31. März am Kiosk.

Martin-Sebastian Kreplin am 30.03.2010

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