Seenotfall

Deutsche Segler auf hoher See gerettet

Nach einem verheerenden Bordfeuer 500 Meilen vor der Küste Floridas rettet eine Großaktion der US-Luftwaffe zwei erfahrenen Seglern das Leben

Dieter Loibner am 11.07.2017
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U.S. Air Force/Mark Borosch
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Ein HH-60G-Pave-Hawk-Rettungshubschrauber bei der Luftbetankung

Ein schadhafter Motor, der an Bord ihrer 12-Meter-Segelyacht ein Feuer auslöste, kostete letzten Freitag eine segelerfahrene deutsche Crew, die aus Vater und Sohn bestand, 500 Seemeilen vor der Küste Floridas beinahe das Leben. Sie befanden sich unter Maschine auf dem Weg aus der Karibik Richtung Europa, als plötzlich dichter Rauch aus dem Maschinenraum quoll und sich rasch Flammen ausbreiteten. Löschversuche des vermutlich durch ein Ölleck entstandenen Brandes blieben erfolglos, zudem erlitt einer der beiden Verbrennungen an den Beinen, sodass nur noch das Absetzen eines Notrufs und die Evakuierung blieb. Mit Geld und Pässen in der Hand stiegen sie in die Rettungsinsel und mussten danach zusehen, wie ihr Boot ein Raub der Flammen wurde und schließlich sank.

Die über Satellitentelefon und Epirb alarmierte US-Küstenwache in Miami bat den 920. Rescue Wing des Patrick-Luftwaffenstützpunktes um Hilfe, der auf Rettungseinsätze hinter feindlichen Linien und auf hoher See spezialisiert ist. Was nun folgte, war eine großangelegte Aktion die insgesamt etwa 16 Stunden dauerte, mit mehr als 80 Beteiligten, zwei Hubschraubern und zwei viermotorigen C130-Transportflugzeugen. Die Kontaktaufnahme mit den Havaristen gestaltete sich durch deren beschränkte Batteriekapazität schwierig, doch am späten Nachmittag des Freitags setzte eine C130 sechs Rettungsschwimmer und Sanitäter und ein Rettungsschlauchboot per Fallschirm über der Unglücksstelle ab. 

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Sanitäter und Rettungsschwimmer kurz vor dem Absprung über der Unglücksstelle

Die Rettungsschwimmer leisteten den beiden Deutschen erste Hilfe und verlegten sie danach auf den Frachter "Nord Nightingale" aus Singapur, der seinen Kurs verlassen hatte, um Beistand  zu leisten. Von dort wurden die beiden gegen 21 Uhr Ortszeit von zwei HH-60G-Pave-Hawk-Rettungshubschraubern geborgen, die in der Zwischenzeit eingetroffen waren und die Schiffbrüchigen nach Orlando flogen, wo sie in den frühen Morgenstunden des Samstags zur weiteren Behandlung in ein Spital gebracht wurden.

Es war auch für die Freiwilligen des 920. Rescue Wings kein Routineeinsatz, denn die beiden Rettungshubschrauber verfügen nur über 500 Meilen maximale Reichweite, mussten also während des Fluges in der Luft betankt werden.  "Die beiden hatten Glück, dass wir sie schnell fanden", sagte ein Retter YACHT online. "Mitten im Ozean mit diesen Verletzungen, bei hohen Temperaturen und ohne Trinkwasser in einer Rettungsinsel ausharren zu müssen ist sehr riskant. Noch dazu in Gewässern, in denen es auch Haie gibt."

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Der Frachter "Nord Nightingale" mit der Rettungsinsel im Hintergrund

Nach der Vernehmung durch den US-Grenzschutz und der Einwanderungsbehörde verblieb ein Segler in ärztlicher Behandlung, während der zweite in einem Hotel in der Umgebung unterkam. 

Dieter Loibner am 11.07.2017

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