Extremtörn

Bourgnons nächstes Abenteuer: mit dem Sportkat ins Eis

Seine Weltreise im offenen Sechs-Meter-Kat war bereits eine Sensation, nun kündigt der Schweizer Extremsegler sein nächstes Ziel damit an: die Nordwestpassage

Uwe Janßen am 15.03.2017
Bourgnon
Bourgnon / Denis Tisserand

Der Schweizer auf seinem kleinen Kat

Schon im Januar 2016 hatte der Extremsegler Yvan Bourgnon sein nächstes großes Abenteuer angekündigt: mit einem Sport-Katamaran durch die Nordwestpassage segeln – ohne Kajüte, ohne geschlossene Koje, ohne Begleitboot. Jetzt wird die Sache konkret: Der Franko-Schweizer plant den Start seines nächsten Abenteuers für den kommenden Juni.

Der Törn führt von Nome aus, gelegen an der Beringstraße in Alaska, durch die Beaufortsee und die arktischen Gewässer Kanadas und Grönlands und weiter in die Baffin-Bucht – insgesamt eine Strecke von rund 4000 Seemeilen. Zwei Monate wird der 45-Jährige dafür unterwegs sein, fernab der Zivilisation.

Mit seiner Reise vom nördlichen Pazifik in den Atlantik will er nicht nur auf die Klimaerwärmung aufmerksam machen, sondern auch auf die Verschmutzung der Meere. Das Schmelzen des Eises macht seine Fahrt überhaupt erst möglich, zum anderen taucht selbst in den einst dauerhaft vereisten Regionen des Planeten inzwischen immer mehr Plastikmüll und Meeresschrott auf.

Bourgnon wird auf seinem offenen Katamaran mit Temperaturen zwischen minus 10 und plus 5 Grad rechnen müssen sowie mit bis zu 40 Meter hohen Eisbergen. "Die Kälte wird das eine Problem sein, das Kentern das andere", sagte Bourgnon auf die Frage, wie er sich auf den Trip vorbereitet. Als Solosegler auf einem kleinen Katamaran ist das Kentern kaum zu vermeiden, wiederholte Stürze ins eisige Wasser werden also eines der größten Probleme sein. Bei seiner Weltumsegelung mit dem nur 6,30 Meter kurzen und vier Meter breiten Kat 2014/15 ist er mehr als 300 Mal gekentert (YACHT 14/2015).

Zwischen Eisbergen und Eisbären

Weitere Gefahren drohen durch Kollisionen mit Eisbergen und Begegnungen mit Eisbären. Letztere haben durch das Schmelzen des Eises einen immer kleineren Lebensraum und werden Menschen gegenüber zunehmend aggressiver. Auch Begegnungen im Wasser sind nicht ohne Risiko: Eisbären schwimmen schneller als zehn Kilometer pro Stunde. In einer Flaute könnte das auch für den Rekordsegler zur Gefahr werden, zumal Bourgnon keinen Motor und keinerlei Schutz dabei haben wird, auch kein Gewehr.

Der auf extreme Kat-Törns spezialisierte Mann aus der Bretagne fühlt sich durch seine Weltreise vor zwei Jahren bestärkt, nun auch den Trip durch die Nordwestpassage im offenen Mini-Kat zu schaffen. "Hier wird sich der Schwierigkeitsgrad allerdings noch einmal erhöhen", sagt Bourgnon. "Ich werde zwei Monate ohne Stopp und Landgang unterwegs sein, auf winzigem Raum und in der Kälte segeln, schlafen, essen, trinken und leben müssen."

Zudem seien viele Gebiete dort oben noch immer schlecht kartografiert, vor allem in den ganz hohen Breiten werde er permament auf Sicht navigieren müssen. Seine Rümpfe hat er bereits mit Kevlar verstärkt, damit sein Kat bei Berührungen mit Eisschollen nicht gleich Schaden nimmt. Schlafen und ruhen will er unter einer Plane, die wie eine Art rudimentäres Zelt über einen der Ausleger gespannt werden kann. "So werde ich ein wenig meiner Körperwärme speichern können." Ansonsten aber will er den Kat nicht weiter für die polare Reise modifizieren.

Seit 2010 begibt sich Bourgnon auf immer extremere Touren in kleinen Katamaranen. Das Mittelmeer hat er so schon gequert und ist auch schon rund Kap Hoorn gesegelt. Dann kam sein Solo-Törn um die Welt, wobei er in seinem Kat unter anderem den Atlantik und Pazifik querte. Sein Ziel: mit "nicht bewohnbaren Booten, ohne Motor und nur mit geringsten Mitteln" extreme Reisen schaffen. Lediglich den Wind will er nutzen, sich statt auf viele Instrumente lieber auf seine Intuition und sein seemännisches Können verlassen. Vor allem in Frankreich verfolgen viele die Husarenritte von Yvan Bourgnon. Seine Fans haben ihm dort längst einen eigenen Namen verpasst: Sie nennen ihn "den Salzwassernomaden".

Uwe Janßen am 15.03.2017

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