Umbau

"Black Maggy": Operation Silverrudder-Rekord

Wolfram Heibeck ist ein Künstler von einem Bootsbauer. Mit seiner Open 32 "Black Maggy" hält er den Silverrudder-Rekord. Aber das ist ihm nicht genug

Jochen Rieker am 03.05.2017
Black Maggy bekommt eine größere Nase
spezialbootsbau.de

Für feinstes Handwerk ist sein Betrieb bekannt. Er heißt ja auch so: Spezialbootsbau. Das ist Wolfram Heibecks, nun ja, Spezialität – vor allem aber: seine Passion. Und so verwundert es kaum, dass es beim jüngsten schweren Eingriff an seinem eigenen Boot so klinisch sauber zuging wie in der Schönheits-Chirurgie. 

Was der Meister vorhat, ist tatsächlich so etwas Ähnliches: eine Nasen-Korrektur. Allerdings geht es nicht ums Verkleinern, im Gegenteil! Heibeck will seinen Open 32 – eine Art Jollenkreuzer auf Steroiden – in der Bugsektion um ein Viertel verlängern. Und das hat einen ganz speziellen Grund.

Der Silverrudder-Sieger von 2015 plant eine weitere Rekordfahrt. "Es wäre doch cool, mit demselben Boot in zwei unterschiedlichen Klassen Bestzeit zu segeln", hatte er gegenüber YACHT online schon im vorigen Herbst angekündigt. 

Fotostrecke: Nasen-OP am Open 32 "Black Maggy"

Nun hat er zur Stichsäge gegriffen. Die Bilder von der OP müssten eigentlich mit einem Warnvermerk versehen sein: "Achtung, verstörender Inhalt!" Denn jedem Eigner wird das Herz schmerzen, wenn er sieht, wie Wolfram Heibeck mit einer Festool PS 300 EQ und scharfer Klinge den Mahagoni-furnierten Carbonrumpf durchtrennt. Man kann sich allenfalls mit der Gewissheit trösten, dass der Mann wahrlich weiß, was er da tut und sein Patient bei ihm in besten Händen ist.

Wenig später lehnt der komplette Bug inklusive Kohlefaser-Spriet an der Hallenwand in Hooksiel. Und kurz darauf steht auch schon das Mallengerüst für die neue Nase, die das Boot auf 40 Fuß verlängern soll – genau jenes Maß, bis zu dem die Klasse "Large" beim Silverrudder-Rennen Ende September reicht. 

"Ich hoffe, dass in wenigen Wochen ein ‘neues Schiff‘ die Werkhalle verlässt und zu den Testfahrten auslaufen kann", schrieb Wolfram Heibeck heute früh an die YACHT-Redaktion. "Das Boot wird im Vorschiff deutlich mehr Auftrieb erhalten. Die Geschwindigkeit soll durch die Verlängerung der Wasserlinie und die neue Bugform, die schneller eine Gleitfahrt ermöglicht, erhöht werden", so der "Black Maggy"-Eigner weiter. 

Alle tragenden Komponenten bleiben original erhalten. Auch das Rigg wird nur geringfügig verändert. Heibeck wird das Vorstag etwas nach vorn verlagern, was eine neue Fock bedingt. Der Vorteil des längeren Bugs liegt dabei auch in einer besseren Anpassungsfähigkeit des Segelplans an die Wetterbedingungen. "Es können später an drei Vorstagen – eines fest, zwei wegnehmbar – verschieden große Vorsegel gefahren werden", sagt Heibeck.

Damit ähnelt die "Black Maggy", die über aufholbare Doppelruder, Schwenkkiel und sonstige Feinheiten verfügt, noch mehr ihren großen Vorbildern, den Open 60 der Imoca-Klasse. Nur Foils hat sie nicht. Vielleicht sollte man sagen: noch nicht.

Denn beim Start zur Vendée Globe war Wolfram Heibeck vorigen Herbst natürlich selbst in Les Sables d'Olonne, um sich die neuesten Boliden aus der Nähe anzuschauen. Wer ihn kennt, würde sich nicht wundern, sollte er eines Tages erneut zur Stichsäge greifen... 


 

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Jochen Rieker am 03.05.2017

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