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Aufbruchstimmung am Millerntor

Gründungsakt und große Pläne: Als einziger Verein im deutschen Profifußball verfügt der FC St. Pauli nun über eine Segelsparte

Uwe Janßen am 11.01.2018
FC St. Pauli
H. Iburg

Pünktlich um 19.10 Uhr – in Anlehnung an das Gründungsjahr des Vereins – schlugen am gestrigen Mittwoch die „Hell's Bells“ in der Weinbar des FC St. Pauli am Hamburger Millerntor. Die Einlauf-Hymne der Fußballprofis läutete ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte ein. Mit der Gründung einer Segelabteilung verfügt der Club als einziger im deutschen Profifußball nun über eine solche Sparte.  

FC St. Pauli

Volles Haus in der Gegengeraden: Spartenchefin Numberger stellt ihre Pläne vor

Als der Gründungsakt mit dem AC/DC-Klassiker begann, warteten vor dem Eingang allerdings noch Einlasswillige, sodass sich der Anpfiff verzögerte: Das Interesse an der neuen Segelabteilung war groß, deutlich über 100 Segelsport-Affine drängten sich schließlich in den Katakomben in der Gegengeraden. 

Die Sparte war noch nicht einmal gegründet, da gingen dort bereits in großem Stil mit dem neuen Abteilungslogo bedruckte Hemden und Pullover, Tassen und Aufkleber über die Theke. Der Verein ist für seine Qualitäten in Sachen Merchandising bekannt, dem steht die Segelabteilung offenbar nicht nach. „Es geht ja der Spruch, dass der FC St. Pauli eigentlich ein Klamotten-Label mit angeschlossener Fußballabteilung ist“, frotzelte die Initiatorin Helga Numberger. „Das wollen wir natürlich auch im Segeln aufrechterhalten.“

FC St. Pauli

Helga Numberger, Initiatorin der Segelsparte und erste Vorsitzende

Die 46-Jährige, die die Hintergründe des Projekts in der aktuellen YACHT erläutert, wurde erwartungsgemäß ohne Gegenstimme zur Vorsitzenden gewählt. 

Zur Vorstellung der geplanten Aktivitäten sagte Numberger: „Wir wären nicht St. Pauli, wenn wir nicht auch unsere politischen Werte einbringen und uns soziale Aktionen ausdenken würden.“ So wollen die Macher neben dem vorgesehenen Ausbildungs- und Sportbetrieb auf Alster und Elbe, Nord- und Ostsee – inklusive der Entsendung einer Frauencrew zum Helga Cup im Juni – eine „Regatta gegen Rechts“ auf der Alster durchführen, analog zum von der Marathon-Abteilung organisierten populären „Lauf gegen Rechts“. Weiterhin sind Benefizaktionen („1910 Seemeilen für einen guten Zweck“), Kooperationen mit Flüchtlingsinitiativen und Inklusionsangebote vorgesehen.

FC St. Pauli

Becher, Aufkleber und Textilien gingen in großem Stil über die Theke: Das Merchandising funktioniert bereits

Auch will der tief in dem sozial eher unterprivilegierten Hamburger Stadtteil verwurzelte Club Menschen den Zugang zum Segeln ermöglichen, die sonst nicht auf die Idee kämen oder nicht die Möglichkeit dazu hätten. Außerdem sei eine Kombination mit Aktionen der jüngsten Nachwuchskicker („Rabauken“) denkbar, um ihnen das Hineinschnuppern in den Segelsport zu ermöglichen. „Das ist eine gute Geschichte, und sie tut unserem Sport gut“, sagt Sven Jürgensen, Pressesprecher des Norddeutschen Regatta-Vereins, der – neben vielen anderen Verbands-, Medien- und Branchen-Repräsentanten – die von einer Mischung aus Lockerheit und Aufbruchstimmung geprägte Gründungsveranstaltung vor Ort verfolgte.

Wie die ambitionierten Pläne umgesetzt werden und welche Impulse tatsächlich vom gestrigen Abend ausgehen, dürfte spannend zu beobachten sein. "Die Gründung war lediglich der Auftakt", so formuliert es Abteilungs-Pressesprecher Patrick Gensing. Jetzt fängt die Arbeit an.

Uwe Janßen am 11.01.2018

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