Segelvortrag

"Ich bin nicht ganz normal"

Im Hamburger Segelclub hielt die 18-jährige Laura Dekker ihren ersten Vortrag in Deutschland – und schlug die Zuhörer in ihren Bann

Johannes Erdmann am 27.09.2013
Laura Dekker

Kinderfotos. Laura Dekker segelt allein auf ihrer Hurley 700

"Meine Eltern haben auch auf einem Boot gewohnt", beginnt die gerade 18 Jahre alt gewordene Laura Dekker am gestrigen Donnerstagabend ihren allerersten Vortrag in Deutschland. Auf Deutsch sogar, denn durch Mutter Babs Müller ist Dekker sogar im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft. Allerdings hat sie die Sprache länger nicht mehr richtig gesprochen – und macht aus dem Einstieg gleich einen Lacher: "Sie sehen, Sie sind auch nicht ganz normal."

Für einen Augenblick ist die Spannung der etwa 100 Zuschauer gebrochen. Sie waren teilweise von weit angereist, um das holländische "Zeilmeisje" im Hamburger Segelclub (HSC) über ihre Reise reden zu hören. Aus Kiel kamen sie, aus Bremen. Einer sogar aus dem Ruhrgebiet. Nach dem auflockernden Eingangssatz wurde es aber sofort wieder mucksmäuschenstill im Saal. Gebannt verfolgten die Zuhörer die Geschichte der jungen Frau, die aus dem Nähkästchen plauderte, wie sie dazu gekommen war, ihre große Reise zu machen.

Laura Dekker

Volles Haus im HSC. Laura zeigt zum Einstieg einen Filmzusammenschnitt

"Ich wollte schon immer auf dem Wasser sein, jeden freien Augenblick", sagt sie. Doch der Opti wird schnell zu klein. Mit Zeitungsaustragen verdient sie sich ihre erste "Guppy", eine kleine Hurley 700. "Damit bin ich schon im Alter von elf Jahren allein durch Holland gesegelt, mit 13 Jahren sogar nach England." Die Zuschauer verfolgen gebannt Bilder eines kleinen, zierlichen Mädchens auf einem gigantisch wirkenden Sieben-Meter-Boot, glücklich die Sommerferien unter Segeln verbringend. Schon damals hat sie begonnen, sagt sie, Seekarten zu sammeln. "Immer, wenn jemand von einer Reise wiederkam, habe ich gefragt, ob ich eine Karte bekommen könnte." Karten, mit denen sie Jahre später um die Welt gesegelt ist.

Laura Dekker

Laura Dekker

Dann kommt der Höhepunkt, die Geschichte ihrer großen Reise. Die monatelangen Rechtsstreitigkeiten mit dem Jugendamt wird von Dekker eher knapp beleuchtet, an der Wand das Bild eines Richters mit hoch erhobenen Zeigefinger. Dann geht sie los, die Geschichte der größten Leistung eines segelnden Kindes.

Laura Dekker

Die gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Jugendamt werden nur gestreift

40.000 Seemeilen hat Laura Dekker bis heute mit ihrer großen "Guppy", einer fast zwölf Meter langen Gin-Fizz, zurückgelegt. Die schönsten Orte der Welt rauschen auf der Leinwand nur so vorbei, während sich das anfängliche Kind immer mehr in eine junge Frau verwandelt. Bilder eines immer wieder abfallenden Steuerrades, Bilder einer 14-Jährigen, die über dem Inneren eines durch Salzwasser zerstörten Kurzwellenempfängers brütet und sich dabei nicht entmutigen lässt. Immer wieder fällt sie bei Fachbegriffen ins Englische zurück und bittet die Zuhörer um Verbesserung. "Hier kann ich ja noch richtig was lernen", sagt sie. Ohne große Ausschmückungen berichtet sie über Hoch- und Tiefpunkte der Reise. 64 Knoten Wind vor Südafrika und bleierne Flauten auf dem Pazifik. Dinge, die einfach zu ihrem Lebensumfeld gehören, aber die das Publikum zum Staunen bringen. Wie kann man so was alles in diesem Alter allein bewerkstelligen?

Laura Dekker

Der aufblasbare Globus gibt vor allem für die Kinder Orientierungshilfe

"Ich bin auf einem Boot groß geworden, ich kenne nichts anderes", erklärt sie zwischendurch. Worte, die immer wieder von den Medien zitiert worden sind. Aber wenn sie aus dem Mund dieser zierlichen kleinen Person kommen, die mit großen Augen von ihren noch größeren Abenteuern berichten, geht ein einvernehmliches Nicken durch die Zuschauerreihen. Später, während der Signatur der Bücher, muss die junge Frau immer wieder mit Kindern für Fotos posieren. Kinder, nicht viel jünger als sie, als die Reisepläne begonnen. In der fast 20 Meter messenden Warteschlange zur Signatur sind indes Wortfetzen aufzuschnappen, die zugestehen: Das Mädchen wollte wirklich einfach nur segeln gehen. Eine Reise, die geglückt ist und auf die Laura Dekker stolz sein kann.

Zurzeit lebt sie in ihrem Geburtsland Neuseeland, immer noch auf ihrem Schiff "Guppy". Das Erscheinen ihres Buches "Ein Mädchen, ein Traum" (Delius Klasing, 19,90 Euro) hat sie für einige Wochen zurück nach Europa und nach Deutschland gezogen. Dort wird sie am 6. Oktober noch einen weiteren Vortrag in Windeck halten, bevor es zurück nach Neuseeland geht.

Laura Dekker

Signierstunde. "Life is a journey, not a destination", schreibt Dekker auf das Titelblatt.

Wie es weitergehen wird, wollen die Zuschauer wissen, "was macht man, wenn mit 18 schon die Welt im Kielwasser liegt?" – "Ich möchte gern mein Kapitänspatent machen und weiterhin reisen", sagt sie. Was läge auch näher mit Wurzeln so nah am Wasser?

Johannes Erdmann am 27.09.2013

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