Atlantik

Ostern allein auf See – und gegenan

Henrik Masekowitz über ein einsames Fest nach 5000 Seemeilen solo, das Leben mit reichlich Lage – und freie Kojen auf seiner Class 40

Jochen Rieker am 29.03.2016
Ostern auf dem Atlantik für Solosegler Henrik Masekowitz

Seegrasnest zum Fest: Ostern auf dem Atlantik für Henrik Masekowitz

Ostern feiert man ja eigentlich im Kreise seiner Familie. Ich muss es hier wieder mal ganz allein überstehen. Immerhin hat sich der Himmel aufgeklart, der Wind gelegt, und ich kann wieder trockenen Hauptes aus der Luke gucken.

Das war die letzten zehn Tage leider fast durchgängig nicht der Fall. Seit ich die Doldrums passiert hatte und in den sicheren Nordwestwind eingetaucht war, habe ich an Deck stets und ständig eine ordentliche Dusche Seewasser abbekommen. Das Leben war einigermaßen eingeschränkt auf 40 Grad Dauerschräglage. Eine Riesenkrabbelei für alles, was man so braucht und machen muss, sei es nun Segelreffen, Bücher lesen, Essen machen oder Kaffeekochen ...

Das Kaffeekochen habe ich schon ziemlich schnell eingestellt, nachdem mir eine fertig aufgebrühte Espressokanne quer vom Kocher geflogen ist. Draußen duschen, drinnen blaue Flecken holen – ich habe mich dann meist in meine Lieblingsecke des Bootes verkrochen und versucht, an nichts zu denken. Ich muss gestehen, ich war ganz schön allein.

Seglerisch hatte ich mir das irgendwie anders gedacht: mal eben mein Boot zurückholen. Eigentlich eine einfache Sache, man muss ja nur lossegeln. Die Strecke ist aber halt echt lang. Vor allem, wenn es um nichts mehr geht. Die Zeit hier allein an Bord zu verbringen, nur um Meilen zu fressen, erscheint mir teils als sinnloses Unterfangen. Aber was sollte ich machen – das Boot konnte ja nun nicht ewig in Kapstadt liegen, und ein Rücktransport auf einem Frachter kam irgendwie auch nicht in Frage. Obwohl ich mich mittlerweile gefragt habe, ob das nicht die bessere, wenn auch teurere Variante gewesen wäre.

Also habe ich seit dem 1. März schon wieder 5000 Seemeilen gesegelt, davon fast die Hälfte so dicht am Wind wie möglich. Was in etwa heißt, mit einem Windwinkel (TWA) von ca 60 bis 65 Grad, weil Autopilot und Welle keine spitzeren Kurse zulassen.

In den letzten zehn Tagen habe ich wirklich gelitten. Ich jammere ja nicht gern, aber das war ernstzunehmende Quälerei. Vor allem die Schläge durch die wunderbar konfuse See, die von unten gegen das Boot donnern, schütteln nicht nur das Rigg ganz ordentlich durch, sondern gehen auch mir durch Mark und Bein. Ich habe zwischenzeitlich Kopf und Zahnschmerzen gehabt, wenn es so rau zuwegeging.

Mit meiner "Croix du Sud" bin ich allerdings mehr als glücklich. Wie sie solche Torturen wegsteckt, ist beeindruckend. Joe Harris dagegen hatte wieder Pech, musste er doch nach seiner erfolgreichen Kap-Hoorn-Rundung erneut einen Hafen anlaufen, um strukturelle Probleme beheben zu lassen. (Anm.d. Red.: Harris muss eine gebrochene Rumpfsektion im Bug laminieren. Alle Infos dazu gibt es hier!)

Bei mir ist alles gut so weit, bis auf eben ein paar verschleißbedingte Auffälligkeiten. Jetzt geht es noch einmal 500 Meilen bis nach Ponta Delgada auf den Azoren. Die Strecke hat es wohl richtig in sich: erst Flaute, dann Durchzug einer 30-Knoten-Front. Das schaffen wir dann auch noch! In einem Monat Kapstadt–Azoren: danke, "Croix du Sud"!

PS: Es ist erst ein Platz belegt auf der Strecke Azoren–Bretagne–Hamburg. Wer mitwill, kann sich noch kurzfristig anmelden unter mail@yacht.de.

Jochen Rieker am 29.03.2016

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