Solo nonstop

Bruderschaft der Einhandsegler

Nach Henrik Masekowitz musste mit Joe Harris auch der andere Class-40-Rekordjäger in Kapstadt Halt machen – mit dem gleichen Problem

Jochen Rieker am 04.01.2016
Henrik Masekowitz Portrait 2015 BSc_IMG_6281

Sprunggelenk gebrochen, alles auf Anfang: Henrik Masekowitz

Der eine sitzt zu Hause in Norddeutschland und hadert mit seinem Schicksal. Der andere ist mit seinem Solo-Nonstop-Rekordversuch auch am Ende. Und die Boote der beiden liegen, nur einen Steinwurf voneinander entfernt, in Kapstadt. 2015 war kein gutes Jahr für Einhandsegler. 

Während sich für Henrik Masekowitz daheim der Verdacht auf einen Bruch im Sprunggelenk erhärtet hat, kämpfte der Amerikaner Joe Harris über den Jahreswechsel mit den Ladereglern auf seiner Class 40. Weil die Stromversorgung seiner Akilaria RC2 verschmort war, musste er wie zuvor schon Masekowitz wegen seiner Verletzung einen ungeplanten Stopp in Südafrika einlegen – womit auch für ihn der Rekord für die schnellste Solo-Nonstop-Weltumsegelung auf einer 40-Fuß-Yacht unerreichbar geworden ist.

Josh Harris startet zum Solo-Nonstop-Versuch

Laderegler verschmort: Joe Harris

Ironie des Schicksals: Auf beiden Class 40 verkokelte der Laderegler des Hydrogenerators. Auf Masekowitz' "Croix du Sud" kam der Ausfall schon nördlich der Kapverden, bei Joe Harris "Gryphonsolo 2" erst im Südatlantik. Weil er zudem kaum Ladestrom aus der Lichtmaschine seines Einbaudiesels bezog, hätte der Amerikaner im Südmeer über kurz oder lang vor dem totalen Blackout gestanden – ohne Autopilot, ohne Kommunikation, ohne Wetterinformationen, ohne Watermaker. Daher sah er keine Alternative zu einem Zwischenstopp in Kapstadt.

Der sollte eigentlich nur ein, zwei Tage dauern. Doch wie sich herausstellte, war Ersatz vor Ort nicht zu bekommen, nicht einmal von Hernik Masekowitz, der Harris erlaubt hatte, sich das nötige Ersatzteil von seinem Motor zu nehmen – ein Beispiel für den Zusammenhalt zweier Segler, die eigentlich Konkurrenten sind. Das Teil allerdings passte nicht. Und so weitete sich der erzwungene Aufenthalt auf eine Woche aus. Morgen, so Harris gegenüber YACHT online, wolle er aber wieder in See gehen, sofern dann alle Systeme einwandfrei funktionierten.

Den härteren Schlag hat freilich Henrik Masekowitz einstecken müssen. Bei einem Sturz vom Kajütdach ins Cockpit hatte er sich eine Woche vor Weihnachten den rechten Fuß so schwer verletzt, dass er nicht mehr auftreten konnte. Die Ferndiagnose von SeaDoc ließ einen Bruch vermuten, der sich bei einer MRT-Untersuchung im Krankenhaus auch bestätigte. "'Nicht dislozierter Abriss hinteres Tibiakantendreieck rechts', heißt es im Fachjargon, kurz Sprunggelenksfraktur."  

Ein Gipsverband und Krücken zwingen Masekowitz die nächsten sechs Wochen zur Ruhe. Eine Ruhe, mit der er noch kaum zurechtkommt. "Leider bin ich ja nun nicht da, wo ich eigentlich sein wollte (in der Nähe der Kerguelen) und habe ungewollt die Rückreise antreten müssen. Unverhofft habe ich eine Weihnachtsfeier im Kreise meiner Familie verbringen dürfen", sagte er. 

"Mir fehlen immer noch die Worte für das, was geschehen ist. Es ist wirklich schwer zu realisieren, dass meine bis dahin sehr erfolgreiche Rekordjagd so plötzlich zu Ende ist."

Bis er wieder voll mobil ist, werden acht bis zehn Wochen vergehen. Dann ist es Herbst im Southern Ocean, zu spät für die Fortsetzung seiner Fahrt. "Der Reiz ist ungebrochen", sagt Masekowitz. "Aber im Moment weiß ich noch nicht, wie es weitergeht." Ärger, Wut, Enttäuschung wechseln sich in rascher Folge ab. Er wird wohl noch einige Zeit brauchen, um sich von diesem Rückschlag zu erholen. "Was passiert ist, ärgert mich maßlos", sagt er. Aber es gibt auch schon Raum für positive Gedanken. "Ich will noch was machen. Das kann es nicht sein."     

  

Jochen Rieker am 04.01.2016

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