Henrik Masekowitz

"Alle paar Minuten ein Einschlag"

Kampf mit Hitze, gegen unruhige See und Winddreher von 90 Grad: Henrik Masekowitz ist gerade nicht nach Feiern zumute. Sein Bericht von Bord

Uwe Janßen am 02.12.2015
Masekowitz

Masekowitz-Yacht "Croix du Sud"

Der Einhandsegler hat auf seiner Nonstop-Fahrt um die Welt den Äquator passiert. Hier sein Bericht zur Situation an Bord.

Es ist heiß, extrem heiß. Ich wundere mich, dass ich seit drei Tagen nichts hinbekomme. Weder Essen mag ich noch irgendetwas anfassen, was mit körperlicher Anstrengung zu tun hat. Ich fühle mich krank. Kann noch nicht einmal ein paar Zeilen zu Papier bringen bzw. in den Rechner hauen. Wenn ich mich hinlege, was ich derweil wegen der notorischen Motivationslosigkeit am liebsten tue, fange ich sofort an zu schwitzen. Das Wasser läuft mir nur so aus den Poren. Fühle mich wie in einer Sauna, oder habe ich Fieber?

Heute habe ich die Lösung dessen gefunden. Bei der Eintragung des außerordentlichen Ereignisses in das elektronische Logbuch von Maxsea fallen mir einige Werte auf: Die Temperatur war in den letzten Tagen niemals unter 30 Grad gefallen und maß in Spitzen bis 38 Grad Celsius (!!!) zu Mittagszeiten. Dazu kommen unruhige See von schräg vorn, soll heißen, alle paar Minuten kommt ein heftiger Einschlag, den der Autopilot nicht mehr aussteuern kann. Und ehrlich, er müht sich redlich. Das macht mürbe, hilft nur abfallen. Mittlerweile kann ich allerdings Kurs Süd 180 Grad ganz gut halten.

Am 1. Dezember habe ich den nullten Breitengrad, also den Äquator überquert. Hurra, das ist doch immer eine kleine Feier wert, vor allem, wenn man sein selbstgestecktes Zeitlimit eingehalten hat. Allerdings ist mir heute nicht nach Genüsslichem, außer Schokolade und mit Magnesium angereichertem Wasser. Werde das Feiern vielleicht später nachholen. Am Nikolaustag sollte das Gröbste erst mal vorbei sein. Drei bis vier Tage hoch am Wind bei 12 bis 17 Knoten sind es aber bestimmt noch.

Rückblickend war die Passage der Doldrums recht gelungen. Die sonst sehr weit nach Westen ausholende Konvergenzzone zwischen dem 6. und 3. Breitengrad Nord hatte sich just, als wir dort hineingetaucht sind, schön nach Osten zurückgezogen. Es lag also freie Fahrt mit recht beständigen 5 bis 10 Knoten Wind voraus. Diese Situation bescherte uns eine reibungslose Querung dieser Zone, in der man auch gern mal zwei oder drei Tage mit extremer Flaute rechnen darf.

Masekowitz

"Gelungene Passage der Doldrums": der Verlauf im Tracker 

Dennoch bekamen wir es mit den berüchtigten Squalls zu tun. Bestes Erkennungszeichen eines Squalls ist eine tiefschwarz gefärbte Wolke, aus der schon weithin sichtbar starker Regen zu fallen scheint. Sprich, wir sehen eine schwarze Wand. Nachts erkennt man diese Situation allerdings meist nicht rechtzeitig, daher ist mit unangenehmen Überraschungen zu rechnen.

Es läuft dann folgendermaßen: Bei einem geruhsamen Raumschotssegeln mit Gennaker bei eben diesen 5 bis 10 Knoten Wind dreht der Wind plötzlich um 90 Grad!!! Ein gut eingestellter Autopilot segelt das schön aus. Nur dann wird's echt gefährlich. Der Wind nimmt schlagartig zu, um mindestens das Doppelte, wenn nicht das Dreifache, und es beginnt zu regnen wie aus Kübeln.

Wenn man bis dahin nicht den Gennaker geborgen und nach Möglichkeit ein passendes Reff im Groß stehen hat, hat man ein latentes Problem mit Bruchgefahr.

Zum Glück war ich eines Nachts aufmerksam genug, als mir mein Maxsea diesen Winddreher zeigte und ich unverzüglich den Gennaker runtergerockt habe. Danach pfiff es für 30 Minuten mit über 30 Knoten. Dann wieder Flautenstimmung und Suche nach dem richtigen Kurs.

Das Gute daran ist allerdings auch, dass man eine Gelegenheit hat, schnell Shampoo auf dem Körper zu verteilen und auf Regen zu hoffen, damit man sich des Schaumes unter dieser Naturdusche wieder entledigen kann.

Ab jetzt sind wir also im Süden, fahren noch ein Weilchen gegenan – und warten auf kühleres Wetter und Wind zum Reachen.

Viele Grüße
Henrik
von Bord der "Croix du Sud"
 

Uwe Janßen am 02.12.2015

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